Verhaltensstörungen bei Kaninchen

Wenn Kaninchen einsam sind oder nicht artgerecht gehalten werden, können Sie Verhaltensstörungen und Aggressionen entwickeln. Erfahren Sie hier, wie Sie Verhaltensstörungen bei Ihren Kaninchen vorbeugen.
 
Verhaltensstörungen bei Kaninchen entstehen durch falsche Haltung. © Grigorita Ko-stock.adobe.com
Verhaltensstörungen bei Kaninchen entstehen durch falsche Haltung.
Aggressives Verhalten gehört zum normalen Sozialverhalten, auch von geselligen Tieren wie Kaninchen oder Meerschweinchen. Insbesondere die Männchen können sich heftige Kämpfe liefern. Wenn Ihr Kaninchen daher ab und an aggressiv ist, hat es noch nicht gleich eine Verhaltensstörung. Doch während sich die Kaninchen in freier Natur aus dem Wege gehen können, fehlt ihnen in Menschenobhut oft der Raum, dem Gegner auszuweichen. Das kann ein Grund dafür sein, dass als Haustier gehaltene Kaninchen auf Dauer Verhaltensstörungen entwickeln. Auch die falsche, nicht artgerechte Haltung kann Verhaltensstörungen bei Kaninchen verursachen.

Die Lösung des Aggressionsproblems liegt auf gar keinen Fall in der Einzelhaltung. Denn Kaninchen leben unter natürlichen Bedingungen in großen Gruppen. Besser ist es, die Tiere rechtzeitig kastrieren zu lassen.


Die Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und Meerschweinchen

Die Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und Meerschweinchen ist beliebt, doch sie ersetzt keinen Artgenossen. Denn Kaninchen und Meerschweinchen unterscheiden sich nicht nur in ihrem Verhalten, sie sprechen auch völlig verschiedene „Sprachen“ . Bewohnt ein Meerschweinchen mit einem Kaninchen den gleichen Käfig, gewöhnen sich die beiden vielleicht aneinander. Missverständnisse sind jedoch vorprogrammiert und können zu Streitereien führen, wobei das schwächere Meerschweinchen in der Regel den Kürzeren zieht und schwer verletzt werden kann.
  • Kaninchen und Meerschweinchen: unterschiedliche Ansprüche an das Gehege
Hinzu kommen die unterschiedlichen Ansprüche, die Meerschweinchen und Kaninchen an die Einrichtung ihrer Gehege stellen. Kaninchen genießen die Aussicht von erhöhten Orten, Meerschweinchen rasen am liebsten von Versteck zu Versteck. Beide brauchen Abwechslung und viel Bewegung, um seelisch gesund zu bleiben. Steht kein großzügiges Gehege zur Verfügung, muss man den Tieren mindestens einmal täglich Freilauf in der Wohnung gewähren. Ist die Wohnung nicht nagersicher , natürlich nur unter Aufsicht.
 
  • Kaninchen und Meerschweinchen: unterschiedliche Ansprüche im Umgang
Geradezu gegensätzlich veranlagt sind die Tiere, wenn es um das „Schmusebedürfnis“ geht. Während Kaninchen sich ausdauernd belecken und miteinander kuscheln, sind Meerschweinchen distanzierter. Sie mögen zwar nicht schmusen, aber sie brauchen das „Gespräch“ mit Artgenossen durch Laute und Gerüche.
 
Ein Kaninchen kann also niemals zum Ersatzpartner für ein Meerschweinchen werden. Umgekehrt gilt das Gleiche. Es sollte daher dringend davon abgesehen werden, ein Kaninchen und ein Meerschweinchen zusammen zu halten, da dies Verhaltensstörungen und Verletzungen bei den Tieren verursachen kann.


Meerschweinchen ersetzen den Artgenossen von Kaninchen nicht. © teshka-stock.adobe.com


Falsche Haltung als Ursache von Verhaltensstörungen bei Kaninchen

Werden die Bedürfnisse der Kaninchen bei der Haltung nicht berücksichtigt, so können sie ebenfalls Verhaltensstörungen entwickeln. Dies passiert, wenn sie in zu kleinen Käfigen oder alleine gehalten werden. Sie beknabbern stundenlang die Käfiggitter, führen immer die gleichen Bewegungen aus und werden krankhaft aggressiv. Leben die Tiere unter Dauerstress, können sie aufhören zu fressen und nicht nur psychisch, sondern auch körperlich krank werden. Ein artgerechtes Kaninchengehege mit viel Platz ist deshalb unerlässlich. Informieren Sie sich daher unbedingt umfassend über die Bedürfnisse der Tiere, bevor Sie sich ein Kaninchen zulegen und achten Sie darauf, diesen Bedürfnissen auch gerecht zu werden!


Verhaltensstörungen bei Kaninchen durch Langeweile

Auch ein großer Käfig kann zum langweiligen Gefängnis werden, wenn die Einrichtung den Nagern keine Möglichkeit bietet, sich zu beschäftigen . Auch das kann Verhaltensstörungen bei Kaninchen verurachen. Dem können Sie als Besitzer jedoch entgegenwirken, wenn Sie Ihren Kaninchen Abwechslung bieten.

Gutes Heu dient nicht nur der gesunden Ernährung , sondern auch der Beschäftigung der Tiere. Ihr Bedürfnis zu nagen stillt man am besten mit Zweigen. Man kann Buchen-, Obstbaum und Haselnusszweige verwenden. Die Zweige befriedigen nicht nur ihr Nagebedürfnis, die Tiere können sie auch als Verstecke nutzen. Allerdings sollten die Zweige ungespritzt sein. Brausen Sie die Zweige zuvor mit heißem Wasser ab.

Mehrere Etagen im Gehege sorgen für eine größere Gesamtfläche, für Versteckmöglichkeiten und Aussichtspunkte. Selbstverständlich sollte die Einrichtung stabil sein und keine Verletzungsgefahr in sich bergen. Auch im Zoohandel wird man immer wieder Anregungen finden, wie man seinen Kaninchen etwas Abwechslung im Alltag verschafft. Doch nicht alles, was angeboten wird, ist gut für die Tiere. Auch hier gilt es, sich gut zu informieren. Beschäftigungsmöglichkeiten für Kaninchen lassen sich außerdem auch selber basteln .

Zudem sollten Sie sich selbstverständlich ebenfalls Zeit für Ihre Kaninchen nehmen. Durch Ihre Aufmerksamkeit werden die Kaninchen nicht nur beschäftigt, sondern sie bauen zudem Vertrauen zu Ihnen auf. Es gibt viele verschiedene Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten für Kaninchen, zum Beispiel in Form von Clickertraining.
 
Vor der Anschaffung eines Tieres sollte man sich über dessen Bedürfnisse und Normalverhalten genau informieren. Zu jeder Tierart sind zahlreiche Bücher im Handel erhältlich. Nur dann kann man ihm von Anfang an eine artgerechte Haltung bieten, die es seelisch und körperlich gesund bleiben lässt. Auf diese Dinge sollten Sie bei Kaninchen unbedingt achten:
  • Keine Einzelhaltung von Kaninchen, auch nicht nur mit Meerschweinchen!
  • Großes Gehege mit viel Bewegungsfreiraum und Auslauf
  • Beschäftigung durch Zweige, Spiele und Aufmerksamkeit
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