Die vielseitige Werkzeugkiste der Tiere

Tiere zeichnen sich durch ihre bemerkenswerte Kreativität aus, wenn es darum geht, Futter zu beschaffen, sich zu schützen, ihre Gesundheit zu erhalten oder einen Partner zu finden. Viele nutzen dazu Werkzeuge sehr geschickt.

Gorilla benutzt Werkzeug, um etwas Fressbares aus der Baumritze zu fischen
Menschenaffen sind besonders geschickt beim Einsatz von Werkzeugen© dean bertoncelj/Shutterstock

Werkzeuge sind nicht nur den Menschen vorbehalten – der Einsatz von Werkzeugen ist auch im Tierreich weit verbreitet. Von cleveren Lösungen zur Nahrungssuche bis hin zu innovativen Bautechniken nutzen Tiere ihre Umwelt und Fähigkeiten auf beeindruckende Weise. Ob es sich um große Säugetiere, kleine Insekten oder Tiere aus verschiedenen Lebensräumen handelt – überall gibt es beeindruckende Beispiele für den Werkzeuggebrauch.

Der Elefant und sein langer Rüssel

Eines der beeindruckendsten Beispiele ist der Elefant mit seinem langen Rüssel. Wenn er nicht gerade spielerisch hin und her schwenkt, dient ihm dieser Rüssel als ein äußerst flexibles und feines Werkzeug. Er kann damit tasten, fühlen, riechen, greifen, trinken, essen und sogar atmen. Der Rüssel ist so vielseitig, dass er auch als Schnorchel beim Schwimmen in tiefen Gewässern genutzt wird. Mit ihm kann der Elefant auch Wasser und Sand aufsaugen und durch den Rüssel spritzen. Ein wahres Multifunktionstool! 

Der Elefant verwendet seinen Rüssel für viele Aufgaben. Mit über 40.000 Muskeln ausgestattet, kann er sogar schwere Steine heben. Sein Rüssel dient ihm auch als Greifarm, mit dem er Holzstöcke benutzt, um sich zu kratzen, oder Äste, um Fliegen zu vertreiben. Doch nicht nur das – auch Materialien wie Lehm und Schlamm nutzt der Elefant, um sich vor Ungeziefer zu schützen und Sonnenbrände zu vermeiden.

Der Rüssel eines Elefanten
Der Rüssel eines Elefanten ist ein sogenanntes körpereigenes Werkzeug und ein echtes Multifunktionstool© stock.adobe.com/EcoView

Was ist ein Werkzeug?

Der Rüssel eines Elefanten ist ein hervorragendes Beispiel für ein körpereigenes Werkzeug. Solche Körperteile werden von Tieren geschickt verwendet, obwohl sie ursprünglich eine andere Funktion hatten. Zu dieser Kategorie zählen auch die Schnauzen von Delfinen, die Schnäbel von Vögeln oder die Zähne vieler Tiere. Diese Körperteile sind sehr nützlich, aber im Sinne der Verhaltensbiologie keine „echten“ Werkzeuge. Echte Werkzeuge sind Objekte aus der Umwelt, die von Tieren gezielt gesammelt und verwendet werden, um bestimmte Aufgaben zu erledigen – etwa Steine oder Stöcke, um Futter zu beschaffen oder etwas zu bauen.

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Werkzeuggebrauch bei Schimpansen

Die berühmte Verhaltensforscherin Jane Goodall hat den Gebrauch von Werkzeugen bei Schimpansen gründlich untersucht. Schimpansen sind wahre „Handwerker“: Sie benutzen Stöcke, um Termiten aus Nestern zu fischen, zertrümmern Nüsse mit Steinen und stellen Werkzeuge aus Ästen her, indem sie sie so bearbeiten, dass spitze Enden entstehen. Orang-Utans und andere Primaten wie Kapuzineraffen oder Paviane nutzen ebenfalls Werkzeuge, um Nüsse zu knacken – häufig indem sie Steine bearbeiten, um scharfe Kanten zu erhalten.

Mit einem Stocken fischt ein Schimpanse Termiten aus ihrem Nest
Mit Stöcken fischen Schimpansen Termiten aus ihren Nestern© stock.adobe.com/osaru_photos

Der Orang-Utan und seine Werkzeugkunst

Ein faszinierendes Beispiel für den intelligenten Einsatz von Werkzeugen wurde bei einigen Orang-Utans in Zoos beobachtet. Um an in Wasser schwimmendes Futter zu gelangen, werfen sie Steine in ein Gefäß, bis der Wasserstand steigt und das Futter an die Oberfläche schwimmt. Fehlen Steine, füllen sie ihren Mund mit Wasser und spucken es gezielt in das Gefäß, um das Futter herauszuholen.

Schimpansen schälen Stöcke
Schimpansen gelten als Könige unter den tierischen Handwerkern© shutterstock.de/tristan tan

Der Krake: Ein geschickter Baumeister

Der Krake ist ein weiteres Beispiel für Tierintelligenz. Er nutzt gezielt Werkzeuge, um sich eine Schutzhöhle zu bauen. Dabei sammelt er Schalen von Kokosnüssen, die ins Meer gefallen und auf den Boden hinabgesunken sind, stapelt sie übereinander und trägt sie von Ort zu Ort mit sich herum, bis er eine geeignete Stelle findet, um sein „Unterwasser-Häuschen“ zu errichten. Ein wahrer Baumeister der Meere!

Aus Kokosnuss- und Muschelschalen baut der Krake seine Schutzhütte
Aus Kokosnuss- und Muschelschalen baut der Krake seine Schutzhütte© stock.adobe.com/diveivanov

Werkzeuge bei Meerestieren

Auch viele Meerestiere setzen geschickt Werkzeuge ein. Meeresschnecken, wie die Turbankschnecken, benutzen Steine, um sich aufzurichten, wenn sie umgestürzt sind.

Pistolenkrebse wiederum haben eine „Wasserpistole“ – eine Schere, die sie blitzschnell zusammenklappen, um einen Wasserstrahl abzufeuern, der sogar das Ortungssystem von U-Booten stören kann.

Seeotter wiederum verwenden Steine als Werkzeuge, um Muscheln zu knacken oder sogar als Ambosse, um deren Schalen zu brechen.

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Werkzeuge im Insektenreich

Selbst Insekten sind in der Verwendung von Werkzeugen äußerst geschickt.

Manche Ameisen sammeln Sand und Erde, um die Eingänge von Erdbienen-Nestern zu bombardieren.

Grabwespen stampfen mit Steinchen oder Holzstückchen losen Sand über ihren Boden-Brutkammern fest. 

Die räuberischen Larven der Ameisenjungfern, auch Ameisenlöwen genannt, schleudern Sand auf ihre Beute, während sie geduldig in selbst gegrabenen Trichtern warten.

Ameisen transportieren eine Blatt in Teamarbeit
Mit Sand und Erde bewerfen Ameisen die Eingänge von Erdbienen-Nestern© stock.adobe.com/surasak

Vögel und ihre kreativen Techniken

Vögel zeigen erstaunliche Kreativität im Umgang mit Werkzeugen. Von kunstvollen Nestbauten bis hin zu cleveren Techniken zur Nahrungsbeschaffung – ihre Fähigkeiten sind beeindruckend vielseitig.

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Der Seidenlaubenvogel und sein blauer Schmuck

Auch Vögel verwenden Werkzeuge – und der australische Seidenlaubenvogel geht noch einen Schritt weiter: Beim Nestbau sammelt er allerlei bunte Objekte, von Käferflügeln bis zu Beeren, und dekoriert sein Nest. Besonders wichtig ist ihm dabei die Farbe Blau. Wenn er nicht genug blaues Material findet, färbt er es selbst ein, indem er mit einem selbstgebastelten Pinsel und Blaubeeren „malt“.

Seidenlaubenvogel sammelt blaue Objekte für sein Nest
Nur blaue Objekte dürfen ins Nest© Ken Griffiths/Shutterstock

Die Krähe: Ein Meister der Problemlösung

Krähen sind für ihre Intelligenz bekannt und nutzen Werkzeuge auf erstaunliche Weise. Sie haben gelernt, Autos zu nutzen, um Nüsse zu knacken. Sie setzen sich geduldig auf eine Ampel, warten, bis sie rot wird, und werfen dann die Nüsse auf die Straße. Sobald die Ampel wieder grün wird, fliegen sie los und holen sich ihre Nüsse.

Krähe hat eine Nuss im Schnabel
Krähen und andere Rabenvögel gelten als sehr intelligent© stock.adobe.com/Rolf Müller

Die Singdrossel: Ein wahres Werkzeuggenie

Auch die Singdrossel verwendet geschickt Werkzeuge. Um an das Fleisch von Gehäuseschnecken zu gelangen, wirft sie die Schnecken mit großem Schwung auf Steine oder Mauern, bis deren Schalen brechen – eine clevere Anwendung des „Hammer und Amboss“-Prinzips.

Mit Schwung wirft die Singdrossel eine Schnecke auf den harten Asphalt
Mit Schwung wirft die Singdrossel eine Schnecke auf den harten Asphalt© stock.adobe.com/Erni

Der Buntspecht und seine Schlagtechnik

Der Buntspecht ist ein weiteres Beispiel für Werkzeuggebrauch in der Vogelwelt. Um Nüsse oder Zapfen zu knacken, nutzt er Spalten in Bäumen und hackt mit seinem Schnabel. Wenn er keine natürlichen Ritzen findet, schabt er selbst welche in den Baum. Auch bei der Jagd nach Insektenlarven im morschen Holz oder beim Trommeln zur Reviermarkierung nutzt er seinen Schnabel geschickt.

Der Buntspecht legt die Nuss in eine Baumritze und hackt sie mit seinem Schnabel auf
Der Buntspecht legt die Nuss in eine Baumritze und hackt sie mit seinem Schnabel auf© stock.adobe.com/Karin Jähne

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