Hund beißt: Ursachen und Prävention

Immer wieder berichten die Medien von schlimmen Beißvorfällen. Daher stellt sich die Frage danach, wie man erkennt, wenn ein Hund kurz davor ist, zu beißen. Warum eskalieren bestimmte Situationen zwischen Mensch und Hund und was kann man dagegen tun?

Hund beißt Mann in den Arm
Akuter Stress ist nur einer der Gründe, warum ein Hunde beißt.© Dimid - stock.adobe.com

Mensch und Hund haben häufig ähnliche Bedürfnisse aber ganz unterschiedliche Wege, sie zu befriedigen. Betrachten wir als Beispiel das Bedürfnis nach Nähe und Kommunikation: Während wir eine enge Umarmung genießen, ist dem Hund so viel Nähe häufig zu eng und zu intensiv.

Mit einer intuitiven Reaktion wird er versuchen, sich aus der unangenehmen Situation zu entfernen. Er beginnt durch verschiedene körpersprachliche Signale zu "sprechen" – angefangen mit einem Lecken über den Fang, dem Kopfabwenden, weit aufgerissenen Augen bis hin zum Zähnefletschen, Knurren und schließlich dem Beißen.

Nur wenn wir lernen, den Hund und seine Signale zu verstehen, können wir vermeiden, dass der Hund "deutlicher" werden muss. Wenn der Hund sich unwohl, verängstigt und unverstanden fühlt, ist er gezwungen, seine Aussage zu bekräftigen – und die letzte und deutlichste Aussage ist schließlich der Biss.

Bevor der Hund beißt: Signale des Hundes richtig verstehen

Bevor der Hund beißt, zeigt er eine Reihe von Signalen, an denen man als Mensch erkennen kann, wie unwohl sich der Hund fühlt. Sein Verhalten zeigt an, auf welcher Eskalationsstufe er sich befindet.

Signale des Hundes nach Eskalationsstufen (zunehmend)

  1. entspannte Körpersprache
  2. leichte Beschwichtigungssignale: Lecken des Mauls, Kopfabwenden usw.
  3. Unsicherheit: Wegdrehen, Weggehen und Wiederkommen, Leichtes Schütteln usw.
  4. starke Beschwichtigungssignale: Wegdrehen, Weggehen, Hinsetzen, Kratzen, Schütteln usw.
  5. Ersatzhandlungen: Beißen in die Leine, Beißen in Gras, starkes Schütteln, Wälzen usw.
  6. Knurren, Bellen, Knurr-Bellen
  7. Zähne fletschen
  8. in die Luft schnappen: Symbolisches Beißen
  9. Zwicken, Schnappen
  10. Beißen und evtl. zurückweichen
  11. mehrmals zubeißen
Hund_beißen_Inline1.jpg
Mit Knurren zeigt ein Hund deutlich, dass ihm etwas nicht passt.© stock.adobe.com/Bonsales

Gründe, warum ein Hund beißt

Warum die Situation schließlich eskaliert und ein Hund beißt, kann unterschiedliche Gründe haben. Es ist wichtig, dass Sie herausfinden, warum der Hund zugebissen hat, um künftige Konflikte zu vermeiden.

Unsicherheit und Angst

Oft beißen Hunde aus Unsicherheit und Angst. Direkter Augenkontakt in Form von Fixieren und Anstarren bedeutet für Hunde Bedrohung. Auch wenn Sie sich zu schnell annähern, den Hund unvermittelt berühren oder sich von oben nähern, kann das zu Aggressionen führen. Ebenso wenn Sie zu seinem Platz nachlaufen, an den er sich zurückgezogen hat. Unkontrollierte Bewegungen und Lärm können beim Hund ebenfalls Angst und Unsicherheit auslösen. Wenn Knurren und Bellen die Angstsituation nicht lösen, wird der Hund in letzter Konsequenz zubeißen.

Hund_beißen_Inline2.jpg
Auch aus Angst beißen Hunde zu.© stock.adobe.com/castenoid

Schmerzen und Krankheiten

Hunde können Schmerzen gut verbergen. Nicht immer ist dem Hundehalter sofort klar, wenn der Hund Schmerzen hat. Schmerzen begünstigen aber Beißunfälle. Ein Hund mit Schmerzen kann plötzlich Aggressionsverhalten zeigen, bellt Hunde oder vorbeilaufende Passanten an. Auch Krankheiten, vor allem die, die sich auf das Gehirn des Hundes auswirken (z.B. Epilepsie, Tollwut, unzureichende Leberfunktion usw.) können aggressives Verhalten auslösen. Um Beißvorfällen aufgrund von Krankheit und Schmerzen vorzubeugen, sollten Hunde regelmäßig vom Tierarzt untersucht werden.

Hund_beißen_Inline3.jpg
Der Tierarzt kann helfen, bevor der Hund vor Schmerzen zubeißt.© stock.adobe.com/luckybusiness

Ressourcen-Verteidigung und Revierverhalten

Das Futter ist für den Hund eine überlebenswichtige Ressource, daher wird er sein Fressen massiv verteidigen. Wir können ihm zwar beibringen, das Fressen zu tauschen – oder ihm zeigen, dass wir sein Fressen nicht wegnehmen möchten. Das ist aber ein antrainiertes Verhalten und gehört nicht zu dem angeborenen Verhaltensrepertoire des Hundes.

Dieses Beispiel lässt sich auch auf andere "Ressourcen" des Hundes übertragen. Viele Hunde verteidigen beispielsweise ihr häusliches Umfeld und zeigen aggressives Verhalten gegenüber Fremden. Auch die Zuneigung des Hundehalters stellt für den Hund eine Ressource da. Entfällt die Zuneigung auf ein anderes Tier oder Familienmitglied, kann der Hund auch in diesem Fall aggressiv reagieren.

Hund_beißen_Inline4.jpg
Hunde verteidigen oft ihr Spielzeug.© stock.adobe.com/DoraZett

Stress

Hat der Hund akuten Stress, zum Beispiel durch Fehler in der Haltung, unzureichende Auslastung oder durch unklare Rangordnung, kann das zu aggressivem Verhalten führen. Ein Fallbeispiel: Der Hund hat eine unentdeckte Alleinbleibe-Problematik und ist mehrere Stunden am Tag allein. Dadurch hat er akuten Stress. Aus Erschöpfung schläft er schließlich ein und wird vom Halter, nachdem er wieder zu Hause ist, zum Gassi-Gehen vor die Tür gezerrt. Gegebenenfalls zieht der Halter schmerzhaft an Halsband und Leine, was für den Hund noch mehr Stress bedeutet. Der Stress entlädt sich schließlich in aggressivem Verhalten gegenüber dem Halter, anderen Hunden oder Passanten.

Für einige Hunde bedeuten Menschenmengen oder enge Räume großen Stress. Deswegen ist es sinnvoll, den Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen und diesen dem Hund in der Stadt, in Bus oder Bahn aufzusetzen.
Hund_beißen_Inline5.jpg
Irgendwann entlädt sich der Stress und der Hund beißt zu.© stock.adobe.com/Aungsumol

Beuteaggression

Viele Hunde, insbesondere diejenigen, die für Jagd, Schutz und Verteidigung gezüchtet wurden, besitzen einen angeborenen Beutegreifreflex, die durch bestimmte Schlüsselreize wie beispielsweise unkontrollierte Bewegungen von kleinen am Boden liegenden Objekten, ausgelöst werden. Hat der Hund solch einen Reiz empfangen, packt er die Beute in der Regel plötzlich und ohne Vorwarnung. Durch gezieltes Training lässt der Jagdtrieb des Hundes sich aber kontrollieren.

Hund_beißen_Inline6.jpg
Viele Hunde haben einen Beutegreifreflex. © stock.adobe.com/Przemyslaw Iciak

Genetik und schlechte Erfahrungen

Jede Hunderasse wurde für eine bestimmte Aufgabe und auf bestimmte Merkmale hin spezifisch selektiert und gezüchtet. Bei einigen Rassen gehört eine gewisse "Schärfe" zu der gewünschten Disposition. Die Beißstatistiken jedoch zeigen, dass ein Beißvorfall weniger ein Rasse-, denn ein Hundeproblem allgemein ist. Denn durch entsprechendes Training und schlechte Erfahrungen wird aggressives Verhalten von Hunden massiv verstärkt.

Beiß-Vorfällen vorbeugen

Warum ein Hund beißt, kann unterschiedliche Gründe haben. Daher ist wichtig, dass Hundehalter sich einen genauen Überblick darüber verschaffen, welche Situationen oder Faktoren den Hund dazu bringen, aggressives Verhalten zu zeigen.

Ebenso wichtig ist es, die Körpersprache des Hundes richtig lesen und deuten zu können. Denn bevor der Hund schließlich zubeißt versucht er, sein Unbehagen durch andere Verhaltensweisen aufzuzeigen. Nur wer dieses Verhalten genau kennt, kann richtig reagieren, bevor der Hund beißt.

Ein professioneller Hundetrainer hilft Ihnen dabei, die Ursache und die Lösung für den Beißvorfall finden.

Hund hat zugebissen: Was passiert jetzt?

Der Halter ist dazu verpflichtet, seinen Hund jederzeit unter Kontrolle zu haben. Hat der Hund eine Person oder ein Tier gebissen, zählt das als Körperverletzung, es kann Anzeige erstattet werden und der Halter muss haften. Wie hoch die Strafe ausfällt, ist im Strafrecht festgelegt.

Erstattet die Person, die gebissen wurde, Anzeige, schaltet sich das Ordnungsamt ein. Es prüft, ob der Hund als gefährlich eingestuft werden muss. Dem Hundehalter wird ein Anhörungsbogen zugeschickt: Hier kann er sich zu dem Beiß-Vorfall äußern und Zeugen benennen.

Hat das Ordnungsamt die Lage geprüft, kann es sein, dass

Wenn ein Hund zugebissen hat, ist es in jedem Fall das Wichtigste, die Ursache dafür herauszufinden. Versuchen Sie, die Körpersignale Ihres Hundes richtig zu deuten, um schon vor dem Zubeißen zu erkennen, dass es ihm nicht gut geht und er sich mehr Ruhe, Freiraum oder etwas anderes wünscht.

"Ein Herz für Tiere" – Die neue Ausgabe jetzt am Kiosk
Aktuelle Meldungen aus der Tierwelt
Großer Haustierratgeber
Mensch & Tier
Wildes Tierleben
Spannende Unterhaltung
632108.jpg