Freilauf oder Wohnungshaltung?

Schon bevor man eine Katze aufnimmt, sollte man sich Gedanken machen, ob das Tier Freilauf bekommen soll oder eine reine Hauskatze wird. Lesen Sie hier die Vor- und Nachteile und was Sie bei den jeweiligen Haltungsformen beachten müssen. 

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Freigang oder Wohnungshaltung: So treffen Sie die Wahl. © Stock.adobe.com/ Photocreo Bednarek

Die Katze ist in Deutschland das beliebteste Haustier. Während viele Katzen als Freigänger durch die Gärten streifen, verbringen andere ihr Leben in Haus und Wohnung. Beide Lebensarten haben Vor- und Nachteile. Lesen Sie hier, für welche Katze die jeweilige Haltungsform besser geeignet ist. 

Katzenhaltung: Reine Wohnungshaltung

Reine Wohnungshaltung für Katzen ist möglich und unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben auch artgerecht: 

Platzangebot

Wichtig ist, dass die Wohnung für eine Katze groß genug ist und vor allem abwechslungsreich gestaltet ist. So sind etwa mehrere kleine Zimmer für eine Katze spannender als ein großer Wohnbereich. Die Wohnung muss ausreichend Platz bieten für Kratzbäume, Spiel- und Klettermöglichkeiten, einen ruhigen Futterplatz und einen ungestörten Platz für die Katzentoilette

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Indoor-Katzen brauchen viele Kratz- und Klettermöglichkeiten. © Stock.adobe.com/takk

Anregung und Spielmöglichkeiten

In jeder Katze schummert ein kleiner Jäger, der psychisch und physisch ausgelastet werden muss. Bei reiner Wohnungshaltung sind daher viele Kletter-, Kratz- und Versteckmöglichkeiten ein Muss. Außerdem sollte der Katzenhalter bereit sein, mehrmals täglich interaktiv mit seiner Katze zu spielen

Gesellschaft

Katzen sind sehr soziale Tiere und eigentlich keine Einzelgänger. Wenn Sie sich zur reinen Wohnungshaltung entscheiden, sollten Sie am besten gleich zwei Katzen aufnehmen, die sich gut verstehen. So sind die Katzen auch in Ihrer Abwesenheit nicht alleine und haben einen Artgenossen zum Spielen und Toben. 

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Mit Artgenossen ist das Leben gleich aufregender.© Stock.adobe.com/Okssi

Katzenhaltung: Freilauf

Eine Katze, die Freigang bekommt, ist besonders vielen Umweltreizen ausgesetzt. Während sie durch Gärten und Straßen schleicht, ist sie voll in ihrem Element. Nach einem Umzug in ein neues Zuhause sollte sich Ihre Katze jedoch erst völlig eingewöhnen, bis sie nach draußen darf. Je nach Charakter der Katze kann dies vier bis zwölf Wochen dauern. 

Voraussetzungen für Freigang

Damit Ihre Katze Freigang bekommen darf, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Die Katze muss alle nötigen Impfungen haben. 
  • Die Katze muss kastriert sein (sowohl männliche als auch weibliche Tiere!).
  • Die Katze muss gechippt und in ein Tierregister eingetragen sein. 
  • Die Katze muss vor Parasitenbefall geschützt sein. 
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Parasitenschutz ist für Freigänger wichtig. © Stock.adobe.com/lesichkadesign

Chancen und Gefahren beim Freigang 

Sicherer Freigang ist für eine Katze ein großes Abenteuer, das all ihre Sinne anregt. Freigänger haben mehr Bewegung als reine Hauskatzen und neigen weniger zu Überwicht. Auch wird einem Freigänger nie richtig langweilig. Draußen erlebt er Abenteuer, im Haus wird gefressen, geschmust und die Kräfte wieder aufgetankt. 

Wie sicher der Freigang für eine Katze ist, hängt stark von der Umgebung ab, in der sich die Katze bewegt. Die Lebenserwartung von Freigängern ist deutlich geringer als die von reinen Hauskatzen. Das liegt an folgenden Gefahren: 

  • Straßenverkehr
  • Revierstreitigkeiten mit anderen Katzen 
  • Gefahr durch andere Tiere (z.B. freilaufende Hunde)
  • Parasiten
  • Giftpflanzen
  • ungeschützte Wasserbecken
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Der Straßenverkehr wird vielen Katzen zum Verhängnis. © Stock.adobe.com/Boris Mélinand

Außerdem müssen Sie folgendes bedenken: Sie haben kaum Kontrolle, was Ihre Katzen draußen frisst. Gerade, wenn Katzen auf Medikamente angewiesen sind, oder nur ein bestimmtes Diätfutter fressen sollen, kann der Freigang zum Problem werden. Eine Katzenklappe macht das Ein- und Ausgehen einfacher. Viele Katzenklappen lassen sich auch so einstellen, dass Sie selbst bestimmen können, wann die Katze nach draußen darf und wann nicht. 

Untersuchen Sie Ihre Katze nach jedem Freigang auf Verletzungen und Wunden. Gerade bei Langhaarkatzen sind diese auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen und werden erst bemerkt, wenn sie sich schon entzündet haben. 

Alternativen zum Freigang

Wenn Ihnen ungesicherter Freigang für Ihre Katze zu gefährlich ist, gibt es einige Alternativen, um Ihrer Katze das Abenteuer Frischluft zumindest in eingeschränkter Art zu ermöglichen: 

Katzensicherer Balkon

Ein katzensicherer Balkon sollte für reine Wohnungskatzen möglichst zur Verfügung stehen. Sichern Sie den Balkon unbedingt mit einem Netz ab und richten Sie der Katze draußen gemütliche Beobachtungsposten ein. Ungiftige Pflanzen sorgen für ein kleines Dufterlebnis. 

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Der Balkon muss sehr gut gesichert sein. © Stock.adobe.com/pinkymoemox

Freigehege

Wenn Sie einen eigenen Garten haben, können Sie Ihrer Katze dort ein richtig tolles Freigehege bauen. Achten Sie darauf, dass das Gehege hoch genug ist, damit die Katze auch springen und klettern kann. 

Catio

Ein Catio (eine „Terrasse für die Katze“) bietet eine weitere tolle Möglichkeit, der Katze Frischluft und Außenreize zu bieten. Catios eignen sich für Terrassen und größere Balkone, da sie in der Regel ein Mindestmaß von 180cm x 80cm x 170cm ( L x B x H) aufweisen. Bei der Einrichtung sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

Leinenspaziergänge

Auch Leinenspaziergänge mit Katzen sind möglich. Hier ist es jedoch wichtig, dass Sie mit Ihrer Katze das Tragen von Geschirr und Leine erst in der Wohnung einüben, ehe der erste Ausflug in die Natur ansteht. 

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Ausflüge an der Leine erfordern Training. © Stock.adobe.com/wifesun

Freigang oder Wohnungshaltung: Entscheidung treffen

Schon vor der Anschaffung einer Katze sollten Sie sich Gedanken über die Haltungsform machen, die Sie Ihrer Katze bieten können, und dies unbedingt beim Aussuchen des künftigen Mitbewohners mitbedenken. 

Katzen, die jahrelangen Freigang gewohnt sind, sollte dieser auch in Zukunft nicht verwehrt werden. Ebenso sollten Katzen, die mehrere Jahre in der Wohnung verbracht haben, nicht einfach vor die Haustür gesetzt werden. 

Der Charakter und die Rasse der Katze spielen ebenfalls eine Rolle. Besonders aktiven und freiheitsliebenden Rassen wie Maine Coon oder Norwegische Waldkatzen sollte Freigang nicht verwehrt werden, während ruhigere Rassen wie Britisch Kurzhaar oder Perser sich auch bei reiner Wohnungshaltung wohlfühlen können. 

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Charakter und Gemüt der Katze müssen berücksichtigt werden. © Stock.adobe.com/Photocreo Bednarek

Haltungsform nimmt Einfluss auf das Verhalten 

Eine Umfrage unter Haltern von insgesamt 500 Katzenpaaren hat interessante Ergebnisse darüber geliefert, wie die Haltungsbedingungen das Verhalten der Tiere insgesamt beeinflussen. Das sind die Erkenntnisse der Studie: 

  • Katzen, die einen gesicherten Freilauf bekommen, scheinen ihrem Halter tendenziell mehr zugetan zu sein, als reine Wohnungskatzen. 
  • Besonders verschmust sind die Katzen, die einen gesicherten Freilauf genießen dürfen. Erst dann folgen die Wohnungskatzen und schließlich die Freilauftiere.
  • Freilauftiere werden laut Studie 1,8 Prozent weniger häufig kastriert als Wohnungstiere. Mit fatalen Folgen für den Tierschutz. Bereits jetzt leben über zwei Millionen Streuner in Deutschland. Verantwortungsvolle Katzenhalter lassen ihre Katze niemals unkastriert nach draußen. 
  • Freilaufkatzen werden öfter als Wohnungkatzen in Familien mit Kindern, Hunden und anderen Kleintieren gehalten. 
  • Katzen mit gesichertem Freilauf markieren am wenigsten.
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