Vor- und Nachteile der Kastration beim Hund

Kastrieren oder nicht: Diese Frage stellt sich jeder Hundebesitzer früher oder später. Klar ist, dass es darauf keine allgemeingültige Antwort gibt. Hier erfahren Sie die großen Vor- und Nachteile und den richtigen Zeitpunkt einer Kastration.

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Eine Kastration sollte gut überlegt sein.© stock.adobe.com/pressmaster

Von einer Kastration versprechen sich viele Hundehalter, dass der Rüde oder die Hündin ruhiger wird. Das ist tatsächlich oft zu beobachten, doch es gibt noch viele weitere Auswirkungen. Was eine Kastration für Ihren Hund bedeutet, wie viel ein solcher Eingriff kostet und wann Ihr Hund kastriert werden sollte, erfahren Sie hier.

Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation

Bevor Sie Ihren Hund kastrieren lassen, sollten Sie wissen, was bei diesem Eingriff passiert. Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen unter Vollnarkose operativ komplett entfernt – beim Rüden die Hoden, bei Hündinnen die Eierstöcke. Kastrierte Hunde produzieren keine Geschlechtshormone mehr, das Sexualverhalten wird unterbunden.

Bei der Sterilisation werden die Samenleiter des Rüden oder die Eileiter der Hündin durchtrennt. Ist ein Tier sterilisiert, ist es zwar genauso sexuell aktiv wie vor dem Eingriff, doch es kann keine Nachkommen mehr zeugen oder bekommen. Kastrationen werden bei Hunden häufiger als Sterilisationen durchgeführt.

So viel kostet eine Kastration

Soll Ihr Hund kastriert werden, zahlen Sie die Tierarztgebühren, das Narkosemittel, zusätzlich erforderliche Medikamente und Verbandsmaterialen. Bedenken Sie, dass auch Vor- und Nachuntersuchungen anfallen können, die ebenfalls Geld kosten.

Der Eingriff ist bei Rüden weniger aufwändig als bei Hündinnen. Mit allen Untersuchungen müssen Sie für eine Kastration bei Rüden mit etwa 200 bis 400 Euro, bei Hündinnen mit etwa 600 Euro rechnen.

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Eine Kastration kostet viel Geld. © stock.adobe.com/Seventyfour

Vorteile einer Kastration des Hundes

Vieles spricht dafür, den Hund kastrieren zu lassen. Die Hündin kann nicht mehr schwanger werden, der Rüde keine Welpen mehr zeugen. Ungeplanter Nachwuchs ist so ausgeschlossen. Auch die folgenden Vorteile bringt eine Kastration mit sich.

Schutz vor Krankheiten

Eine Kastration kann vor Krankheiten schützen. Kastrierte Hündinnen leiden seltener an folgenden Erkrankungen:

  • Gesäugetumore (wenn Kastration vor der ersten oder zweiten Läufigkeit)
  • Gebärmuttervereiterung
  • Tumore der Milchleiste

Außerdem vermuten Wissenschaftler, dass kastrierte Hündinnen besser vor Diabetes mellitus geschützt sind als ihre intakten (unkastrierten) Artgenossinnen. Eine Kastration kann Rüden vor diesen Krankheiten schützen:

  • Hodenkrebs
  • Erkrankungen der Prostata

Positive Änderungen im Verhalten

Häufig berichten Hundehalter, dass sowohl Rüden als auch Hündinnen nach der Kastration ruhiger werden. Und das empfinden viele als positiv. Bei einer kastrierten Hündin bleibt außerdem die Läufigkeit mit ihren Begleiterscheinungen, wie starke Stimmungsschwankungen, aus. Sie werden auch nicht scheinschwanger.

Nach der Kastration sind Rüden nicht mehr an läufigen Hündinnen interessiert. Sie bespringen auch seltener Menschen oder Gegenstände. Viele Hundehalter begrüßen diese Verhaltensänderung sehr. Wichtig: Die Kastration ändert nicht das Wesen Ihres Hundes, sondern nur hormongesteuertes Verhalten.

Eine Kastration kann nicht als Wundermittel gegen problematisches Verhalten oder Erziehungsfehler gewertet werden. Haben Sie Probleme mit dem Verhalten Ihres Hundes, sollten Sie sich immer zuerst Hilfe bei einem professionellen Hundetrainer suchen.
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Nach der Kastration werden Hunde meist ruhiger. © stock.adobe.com/Robert Kneschke

Nachteile einer Kastration

Leider birgt ein solcher Eingriff auch gewisse Risiken. Deswegen sollten Sie unbedingt abwägen, ob eine Kastration bei Ihrem Hund wirklich sinnvoll ist. Über diese Risiken sollten Sie Bescheid wissen.

Risiko des Eingriffs

Eine Kastration ist ein Routineeingriff für Tierärzte. Dennoch kann es zu Narkosezwischenfällen oder Komplikationen während der Operation kommen. Auch Probleme bei der Wundheilung sind selten, aber prinzipiell möglich.

Denken Sie daran: Bei Hündinnen ist die Kastration ein noch tiefgreifender Eingriff als bei Rüden. Sie ist daher mit größeren Schmerzen verbunden, es ist schließlich eine Bauchoperation.

Frühe Kastration stört biologische Entwicklung

Von einer frühen Kastration wird meist abgeraten. Der Eingriff sollte immer erst dann durchgeführt werden, wenn die Hündin oder der Rüde bereits geschlechtsreif ist. Die Pubertät ist auch bei Hunden ein wichtiger biologischer Prozess, der nicht unterbunden werden sollte. Gerade Hündinnen erleben nach der ersten Läufigkeit einen starken, geistigen Entwicklungsschub.

Beachten Sie, dass kleine Hunderassen schneller geschlechtsreif werden als großwüchsige Rassen.
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Hunde, die kastriert werden, sollten schon geschlechtsreif sein.© stock.adobe.com/mad_production

Übergewicht wegen Kastration

Ein weiterer Nachteil der Kastration: Kastrierte Hunde nehmen meist zu und neigen eher zu Übergewicht. Das liegt daran, dass sich ihr Stoffwechsel verändert und kastrierte Hunde einen anderen Nährstoffbedarf haben.

Außerdem haben viele kastrierte Hündinnen und Rüden einen größeren Appetit. Besonders gefährdet sind kastrierte Retriever, Cocker und Beagle. Alle Hunde sollten nach der Kastration spezielles Futter bekommen und sich ausreichend bewegen.

Gefahr von Inkontinenz

Gerade kastrierte Hündinnen großer Rassen (Neufundländer, Leonberger) haben ein höheres Risiko eine Harninkontinenz zu entwickeln als kastrierte Hündinnen unter 20 kg. Das ist ein großer Nachteil der Kastration. Auch Hündinnen folgender Rassen werden häufiger inkontinent als andere, wenn sie kastriert sind:

  • Boxer
  • Dobermann
  • Riesenschnauzer
  • Bobtail
  • Irish Setter
  • Collie
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Manche kastrierte Hündinnen werden inkontinent.© stock.adobe.com/Pixel-Shot

Aggression gegen Hündinnen

Ein weiterer Nachteil der Kastration ist, dass Hündinnen bestimmter Hundetypen mit gesteigerter Aggression auf andere Hündinnen reagieren können. Vor allem Rassen mit angeborenem Schutztrieb oder Hündinnen mit Tendenz zu Sozialunterverträglichkeit sind gefährdet.

Optische Veränderungen

Medizinisch kein Problem, aber ein „Schönheitsfehler“ ist, dass kastrierte Hunde mit langem Fell ein Welpenfell entwickeln können. Die Unterwolle überwuchert das glänzende Deckhaar, das Hundefell wirkt struppig und stumpf. Das Welpenfell tritt häufiger bei kastrierten Hündinnen als bei kastrierten Rüden auf.

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Der richtige Zeitpunkt für die Kastration

Meist wird empfohlen, dass Hunde, egal ob Hündin oder Rüde, erst nach Erreichen der Geschlechtsreife kastriert werden. Sonst könnten die Tiere in ihrer geistigen Entwicklung gebremst werden. Je nach Rasse werden Hunde mit fünf bis zwölf Monaten geschlechtsreif. Für den richtigen Zeitpunkt sollten Sie bei Hündin und Rüde auf Folgendes achten:

  • Der richtige Zeitpunkt für die Kastration einer Hündin orientiert sich an ihrem Alter und am Zeitpunkt des Zyklus. Frühestens zwei Monate nach der Läufigkeit darf die Kastration erfolgen. Die Hündin vor oder nach der ersten Läufigkeit zu kastrieren, kann Tumore der Gesäugeleiste vorbeugen.
  • Rüden werden normalerweise nach dem Erreichen der Geschlechtsreife kastriert. Ausnahmen wären allerdings bei bestimmten Erkrankungen oder Aggressionen, die durch Hormone verursacht werden, denkbar. Im Bauchraum liegende Hoden können beispielsweise ein Grund für eine frühe Kastration sein.

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen?

Ob Sie Ihre Hündin oder Ihren Rüden kastrieren lassen, hängt letztendlich von Ihrer Einschätzung ab. Sie müssen wissen, ob der Nutzen der Kastration die Risiken überwiegt. Wichtig ist, dass Sie sich umfassend über eine Kastration informieren, beispielsweise bei Ihrem Tierarzt.

Oft sind die Tierheime regelrecht überfüllt mit Welpen, die aus ungeplantem Nachwuchs stammen. Das Züchten sollte verantwortungsvollen Experten überlassen werden. Sie kümmern sich schon vor der Verpaarung darum, dass jeder Welpe ein liebevolles Zuhause haben wird.

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