Appetitlosigkeit Hund

Mein Hund frisst nicht! Spontane Mäkelei oder Alarmzeichen?

Der Hund frisst nicht und schon ist die Verunsicherung bei Frauchen und Herrchen groß. Ob schlechte Tagesform oder Krankheitssymptom: Fressunlust beim Hund kann viele Ursachen haben. Nicht jede davon ist gleich ein Grund zur Besorgnis.
 
Hund neben Futternapf © shutterstock.com
Wenn der Hund nicht frisst, muss man der Ursache auf den Grund gehen.
Es ist eine einfache Regel: Frisst der Hund, sind Frauchen und Herrchen glücklich. Nahrung hat für uns Menschen emotionalen Wert. Unbewusst wird diese Vorstellung auf den Hund projiziert. Während Übergewicht selten als Problem erkannt wird, löst ein Hund, der nicht frisst, bei vielen Haltern Bedenken aus.

Da Appetitlosigkeit viele klinische Störungen begleitet, ist diese Sorge durchaus verständlich. Doch nicht immer muss ein Krankheitsgeschehen hinter dem Futterstreik stecken. Wir erläutern die möglichen Ursachen und geben Tipps, wie Sie Ihrem Hund das Fressen wieder schmackhaft machen können.
 

Ihr Hund frisst nicht, weil er krank ist

Mangelnder Appetit und plötzliche Futterverweigerung sind häufige Begleiterscheinungen bei vielen Erkrankungen. Appetitlosigkeit kann sowohl in Verbindung mit anderen Symptomen als auch als alleiniges Anzeichen eines Krankheitsgeschehens auftreten.

Ihr Hund frisst nicht, obwohl er gestern noch mit Appetit den Napf geleert hat? Dann sollten Sie zunächst körperliche Ursachen und Begleitsymptome abklären:
  • Kontrollieren Sie das Maul Ihres Hundes auf Fremdkörper, Zahnschäden und Verletzungen an Gaumen oder Zahnfleisch.
  • Beurteilen Sie den Allgemeinzustand Ihres Hundes: Mattigkeit, ein gesteigertes Ruhebedürfnis und plötzlicher Gewichtsverlust gelten als Warnsignale.
  • Durchfall, Erbrechen und Übelkeit, die parallel zum Futterstreik auftreten, sowie ein harter, aufgeblähter und/oder schmerzempfindlicher Bauch sollten ebenfalls als Alarmzeichen gewertet werden.
  • Messen Sie die Körpertemperatur Ihres Hundes: Fieber sorgt oftmals für Fressunlust und geht mit Entzündungsprozessen im Körper einher.
Trifft einer oder mehrere der oben genannten Punkte bei Ihrem Hund zu, sollten Sie mit ihm schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen. Nur dort können Organerkrankungen, ein Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt, eine potentielle Vergiftung und viele andere medizinische Ursachen für die Inappetenz Ihres Hundes diagnostiziert und therapiert werden.
 

Ihr Hund frisst nicht, weil er gestresst ist

Ihr Hund frisst nicht, obwohl er keinerlei physische Beschwerden hat? Dann steckt vielleicht die Psyche dahinter. Anders als manche Menschen sind Hunde keine Frustfresser. Sie kompensieren Stress nicht durch Nahrungsaufnahme, eher im Gegenteil.

Vor allem sensible Hunde reagieren in stressigen Situationen mit mangelndem Appetit. Ungewohnte Situationen, plötzliche Veränderungen oder hormonelle Schwankungen können die emotionale Balance ganz schön durcheinander wirbeln. Folgende Stressfaktoren verderben Hunden oftmals den Appetit:
  • Trennungsangst
  • Umgebungswechsel, z.B. während eines Umzugs oder im Urlaub
  • Veränderungen im „Rudel“, z.B. durch Familienzuwachs
  • Stress durch laute Geräusche, z.B. an Silvester 
  • Läufigkeit und Scheinträchtigkeit
  • „Liebeskummer“ bei Rüden, die den Duft einer läufigen Hündin in der Nase haben
Steht ein Stressor hinter der Fressunlust Ihres Hundes, sollten Sie zunächst die Störquelle identifizieren und zukünftig meiden beziehungsweise reduzieren. Nehmen Sie im Zweifelsfall die Unterstützung eines Hundetrainers oder Verhaltenstherapeuten in Anspruch, um individuelle Maßnahmen zur Stressminderung bei Ihrem Hund ergreifen zu können.
 

Ihr Hund frisst nicht, weil Sie es ihm beigebracht haben

Lassen Sie Ihren Hund in Ruhe fressen.
Zuwendung während des Fressens zu zeigen ist äußerst kontraproduktiv. © shutterstock.com

Auch in puncto Fressunlust kann die Ursache am anderen Ende der Leine – also beim Hundehalter – liegen. Oftmals werden schlechte Fressgewohnheiten unbewusst verstärkt oder das Nicht-Fressen-Wollen des Hundes falsch interpretiert. Zu den häufigsten Fehlern zählen unter anderem:

Überfütterung
Die scheinbare Appetitlosigkeit eines Hundes entsteht einzig im Kopf des Hundehalters. Ursache ist eine falsche Erwartungshaltung. Viele Halter überschätzen den tatsächlichen Futterbedarf ihres Hundes und sind besorgt, wenn dieser weniger als die vom Hersteller empfohlene Futtermenge frisst. Auch Leckerlis werden oftmals nicht zur täglichen Futterration hinzugezählt. Dabei ist es so einfach: Der Hund ist satt, punkt!

Erlernte Appetitlosigkeit
Dieses Problemverhalten zeigt sich insbesondere bei Hunden, die beispielsweise infolge einer Krankheit längere Zeit keinen Appetit hatten und wieder angefüttert werden sollen. Während der besorgte Halter alles in seiner Macht stehende tut, um den Hund zum Fressen zu animieren, missversteht der Hund die Bemühungen seines Menschen. Er verbindet sein eigenes „Nicht-Fressen“ mit der Aufmerksamkeit seines Besitzers: Je zögerlicher er frisst und je öfter er sich dem Napf zuwendet, desto mehr Zuwendung erhält er. Ein Teufelskreis, der Hund und Mensch gleichermaßen unter Druck setzt.

Abwechslung im Napf
Wer seinem Hund – im Glauben, ihm Gutes zu tun – ständig neue Futtersorten anbietet, zieht sich einen mäkeligen Fresser heran. Da wird der Napfinhalt gerne mal ignoriert – schließlich steht schon ein neues Geschmackserlebnis in der Warteschleife. Ein häufiger Futterwechsel führt mitunter auch zu Verdauungsproblemen, da die Darmflora sich ständig an neue Bedingungen anpassen muss.

Keine Fütterungsrituale
Insbesondere in der Pubertät wird ein Hund alles versuchen, um innerhalb der Rudelhierarchie aufzusteigen. Das klappt über eine Futterverweigerung besonders gut, denn nichts sichert ihm die Beachtung durch Frauchen oder Herrchen mehr als ein unangetasteter Napf. Etablieren Sie daher schon früh feste Regeln in puncto Fütterung: Lassen Sie Ihren Hund warten, bis Sie seinen Napf gefüllt und abgestellt haben und erteilen Sie erst dann die Erlaubnis zum Essenfassen. Etablieren Sie feste Fütterungszeiten und räumen Sie den Napf nach spätestens 15 Minuten weg. Leckerbissen vom Tisch sollten natürlich tabu sein.

Futter-Paranoia
Gerade schüchterne Hunde haben manchmal das Gefühl, dass ihr Halter das Futter für sich beansprucht. Sie fühlen sich verunsichert und wissen nicht genau, ob sie nun fressen dürfen oder nicht. In solch einem Fall bietet es sich an, den Raum kurzzeitig zu verlassen. Generell sollte ein Hund während des Fressens in Ruhe gelassen werden.
 

Ihr Hund frisst nicht, weil ihn andere Faktoren beeinflussen

Alte Hunde haben meist keinen großen Appetit mehr.
Lassen die Sinne im Alter nach, kann das auch den Appetit beeinflussen. © shutterstock.com

Abgesehen von klinischen, seelischen und erzieherischen Ursachen können auch folgende Faktoren dafür sorgen, dass Ihr Hund nicht oder nur wenig fressen mag:
  • Witterungsbedingungen: Viele Hunde fressen bei hohen Temperaturen weniger als üblich. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Zahnwechsel: Zwischen dem vierten und siebten Lebensmonat brechen bei Hunden die bleibenden Zähne durch. Währenddessen kann das Futter eingeweicht werden, um das Kauen zu erleichtern
  • Senior: Mit zunehmendem Alter lassen Geruchs- und Geschmackssinn eines Hundes nach. Eine leichte Erwärmung des Futters kann helfen.

Wenn der Hund nicht frisst – Fazit

Generell gilt: Lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als einmal zu wenig. Verweigert Ihr Hund konsequent jegliches Futter und zeigen sich gleichzeitig andere Krankheitssymptome, sollten Sie keine Zeit verlieren und einen Tierarzt konsultieren.   
 
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